Automatische Texterstellung: Falsche Erwartungen, Gefahren & die wenigen sinnvollen Anwendungsfälle

Autor: Timm Schaffner | Lesezeit: 6 min | zuletzt aktualisiert: 15.07.2022, 16:32

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    Die automatische Texterstellung macht beeindruckende Fortschritte. Inzwischen versprechen zahlreiche Tools, dass sie performante Texte auf Knopfdruck liefern können. Doch kann man diesen Content wirklich bedenkenlos einsetzen?

    Tatsächlich sind KI-generierte Texte (zum Glück) noch weit davon entfernt, die Arbeit echter Autor:innen überflüssig zu machen. Das liegt vor allen Dingen daran, dass eine künstliche Intelligenz eben nicht wirklich denken kann und daher auch nicht begreift, was Semantik oder Wortwitz sind. Wer das ausblendet und nur auf einen Roboter-Texter vertraut, geht sogar einige Risiken ein.

    Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Möglichkeiten zur automatisierten Textgenerierung. Wer sich fertige Texte auf Knopfdruck wünscht, wird von den Tools enttäuscht sein. Für Texter:innen könnte die KI aber in Zukunft eine Unterstützung darstellen.

    ⏱️ Das Wichtigste zu automatischen Texten in Kürze!

    1️⃣ Es gibt verschiedene Ansätze zur automatischen Texterstellung. Die Tools setzen dabei entweder auf Spinning, NLG oder GPT-3. Das Spinning verliert jedoch immer mehr an Bedeutung.

    2️⃣ Anbieter werben damit, dass Texte per Knopfdruck generiert werden können. Aber die wenigsten dieser Texte sind ohne massive Änderungen verwertbar.

    3️⃣ Besonders verlockend sind Textgeneratoren, die aus ein paar Schlüsselworten einen gesamten Text erstellen können. Doch diese stecken meist voller inhaltlicher Fehler.

    4️⃣ Es gibt einige wenige sinnvolle Anwendungsfälle für KI-generierte Texte. Sie können dort Vorteile bieten, wo die manuelle Texterstellung nicht wirtschaftlich wäre.

    5️⃣ Tools zur Textgenerierung könnten Texter:innen langfristig bei der Ideenfindung unterstützen. Die vollständige Schreibarbeit sollte man aber auf keinen Fall einzig in ihre Hände legen.

    Spinning, NLG & GPT-3 – es gibt nicht nur eine Möglichkeit zur automatisierten Texterstellung

    Die automatische Erstellung von Texten ist schon älter als man denken mag. Erinnerst du dich noch an Handys mit T9? Man musste nur ein paar Buchstaben eingeben und das Handy erriet, welches Wort man eintippen möchte. Heute gibt es die Autokorrektur und -vervollständigung auf dem Smartphone, die uns manchmal in den Wahnsinn treibt, aber auch ganz nützlich sein kann.

    Im Endeffekt hat das schon viel damit gemeinsam, wie moderne KI zur automatischen Texterstellung funktioniert: Es geht um die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten, welches Wort in einem bestimmten Kontext am ehesten als nächstes folgen könnte.

    Bei der automatisierten Textgenerierung soll aber der Mensch noch weiter in den Hintergrund gerückt und Texte auf Knopfdruck erstellt werden. Damit das geht, muss bestimmte Software zum Einsatz kommen, welche diese Arbeit erledigt. Die folgende Tabelle vergleicht drei verschiedene Ansätze miteinander: Spinning, NLG und GPT-3.

    Text-Spinnning NLG GPT-3
    Aufwand in der Vorbereitung hoch hoch gering
    Vorhersage der Resultate sehr genau relativ genau kaum möglich
    Größter Vorteil alles unter Kontrolle steigender Grenznutzen Texte auf Knopfdruck
    Größter Nachteil geringe Flexibilität aufwändiges Setup diverse Qualitätsrisiken

    Was ist Text-Spinning?

    Beim Text-Spinning geht es darum, viele verschiedene Texte zu generieren, die eigentlich das gleiche aussagen, aber alle etwas unterschiedlich klingen. Dafür werden unterschiedliche Textbausteine festgelegt, die eine Software dann nach einem bestimmten Muster anordnet. Dabei wird mit Synonymen und Platzhaltern gearbeitet.

    Was ist Natural Language Generation (NLG)?

    Die Natural Language Generation (NLG) ist im Vergleich zum Text-Spinning ein Quantensprung. Hier muss man nicht mehr genau definieren, welche Textbausteine in einem Text vorkommen sollen, sondern das NLG-Tool generiert selbst Text anhand von Daten. Dafür ist es aber wichtig, dass man seinen Textroboter einmal initial mit passenden Inhalten trainiert hat. Anwendung findet das Modell z.B. bei Produktbeschreibungen.

    Was ist der Generative Pre-trained Transformer (GPT-3)?

    Wirklich automatische Texte erhält man heutzutage aber nur mit dem Generative Pre-trained Transformer, der aktuell in der Version 3 verfügbar ist und deshalb auch abgekürzt GPT-3 genannt wird. Es handelt sich um eine KI-Software von OpenAI, die bei zahlreichen Tool-Anbietern im Einsatz ist. Ihr zentraler USP liegt darin, dass sie Texte zu praktisch jedem Thema generieren kann.

    Texterstellung mit GPT-3 – sehr verlockend, aber auch ein bisschen utopisch gedacht

    In der Theorie klingt es einfach genial: Man gibt der GPT-3-Software nur ein paar Stichwörter und schon generiert das Tool einen Text, der angeblich auch noch perfekt zur Zielgruppe passt. Natürlich klappt das nicht so einfach, wie es manchmal in der Werbung der Anbieter versprochen wird.

    Der Einsatz eines KI-Tools zur Erstellung von Texten ist in der Praxis eher als alternativer Schreibprozess zu verstehen. Erstmal kann man sich eine Headline und eine Gliederung erstellen lassen. Danach muss man sich am besten Block für Block Texte generieren lassen. Die Aussagen und Formulierungen der Textschnipsel muss man häufig deutlich anpassen, bevor man sie in den finalen Text aufnehmen kann.

    💡 Spart das wirklich Zeit? Natürlich ist es absolut beeindruckend, dass eine Software dazu in der Lage ist, nur auf Basis von ein paar wenigen Informationen einen Text zu generieren, der klingt als hätte ihn ein Mensch verfasst. Allerdings ist die Zeitersparnis bei weitem nicht so hoch, wie es in die Anbieter oft vollmundig versprechen. Wer denkt, dass man mit KI-Tools in wenigen Minuten hochwertige Texte erstellen kann, hat falsche Erwartungen.

    Bei YouTube findet man Tutorials, die einem zeigen, wie man mithilfe von KI-Tools einen Text erstellen kann. Dabei wird deutlich, dass der Best Practice definitiv nicht darin liegt, eine Headline einzugeben, auf einen Button zu drücken und den Text dann blind zu übernehmen.

    Stattdessen ist die Arbeit mit KI-Tools eine kleinteilige Angelegenheit. Man muss sich immer wieder Textvorschläge generieren lassen und kann diese dann (nachdem man sie einem Faktencheck unterzogen hat) in den finalen Artikel übernehmen. Im Endeffekt nimmt die KI einem nur das Formulieren bestimmter Passagen ab. Wer das Tool im Einsatz hat, kann definitiv nicht den Kopf abschalten und Texte auf Autopilot produzieren.

    5 Gefahren & Nachteile: Was dir droht, wenn du auf automatisierte Texterstellung setzt!

    Wir haben es schon zu Beginn angedeutet und möchten dein Bewusstsein jetzt nochmal dafür schärfen, dass du ein großes Risiko eingehst, wenn du automatisch erstellten Content einfach so ungeprüft auf deiner Website einsetzt.

    Du wirst vielleicht irgendwann ungeduldig, weil du dachtest, dass das Tool dir die komplette Arbeit abnimmt. Dann wirst du dir längere Passagen generieren lassen und diese vielleicht ohne genauere Prüfung übernehmen. Damit tappst du in die Falle!

    #1: Fake News sind an der Tagesordnung

    Nein. Textgeneratoren sind keine Maßnahme, um uns Fake News unterzujubeln. Sie machen das zwar, aber haben keine Ahnung, was sie da tun. Sie wissen nicht einmal, dass sie gerade einen Text schreiben.

    Alle Informationen, die von der KI-Software zu Texten verwurstet werden, sind irgendwann mal aus externen Quellen dem Wissensschatz des Textroboters hinzugefügt worden und werden nun auf komplizierte Weise wieder ausgegraben und in menschlich klingende Worthülsen gestopft.

    Rein sprachlich lesen sich viele KI-generierte Texte sehr gut. Genau das macht es aber auch so problematisch, denn es ist extrem verlockend, aber auch riskant, einen Textabschnitt ohne Review ins Dokument zu übernehmen. Damit du die Fakten checken kannst, musst du idealerweise schon eine gewisse Expertise in einem Themengebiet haben.

    #2: Die Struktur der Texte ist kein Selbstläufer

    Angenommen du gibst drei Texter:innen den Auftrag, einen Text zum Thema „5 Gefahren automatischer Texterstellung & die wenigen sinnvollen Anwendungsfälle“ zu verfassen. Wie ähnlich werden sich dann die Resultate sein?

    Wenn du nur eine Überschrift und ein paar Schlüsselwörter vorgibst, dürften die Ergebnisse sehr unterschiedlich und wenig planbar ausfallen. Einem echten Texter oder einer echten Autorin kannst du – im Zweifel auch im direkten Gespräch – deutlich machen, welche Aufgabe ein Text erfüllen soll. 

    Mit GPT-3-Textgeneratoren ist das nicht so einfach möglich, obwohl sich manche Anbieter in dieser Hinsicht schon entwickelt haben. Du kannst deinem digitalen Assistenten inzwischen Kommandos erteilen als sei er ein echter Menschen. So ist es auch möglich, dass du ein knappes Texter Briefing über das Eingabefeld an die KI kommunizierst.

    Hat der Textroboter die Nachricht verstanden, wird er deine Wünsche bestmöglichen umsetzen. Bis die finale Struktur steht, wirst du dich aber immer wieder durch Vorschläge wühlen müssen. Vielleicht musst du auch das ganze Briefing nochmal anpassen.

    #3: Redundanzen treten immer wieder auf

    Eine perfekte Länge für Texte gibt es nicht. Aber es ist grundsätzlich eine sinnvolle Sache, wenn Wiederholungen vermieden werden. So etwas bietet der lesenden Person keinen Mehrwert und zieht das Dokument nur in die Länge.

    KI-Textroboter wiederholen sich besonders bei nischigen Themen immer mal wieder, wenn du zu lange Passagen produzieren lässt. Natürlich nicht Wort für Wort, aber sinngemäß. Zudem kann es passieren, dass einzelne Unterthemen in mehreren Abschnitten behandelt werden, was für Leser:innen extrem verwirrend sein kann.

    Stell dir mal vor, wir würden jetzt mitten in diesem Teil des Beitrags wieder anfangen, über den Unterschied zwischen Spinning, NLG und GPT-3 zu sprechen. Das bietet weder Mehrwert noch hinterlässt die Seite damit einen qualitativ hochwertigen Eindruck.

    Die besten KI-Tools haben mittlerweile Strategien entwickelt, um Redundanzen zu verhindern. Dafür analysieren sie, was bisher schon geschrieben wurde und versuchen, diese Themen in Zukunft zu vermeiden. Manchmal führt das aber dazu, dass die Textroboter auf einmal kaum mehr etwas zu sagen haben und nur noch einzelne Sätze ausspucken.

    #4: Google positioniert sich gegen KI-Texte

    Es gibt viele Dinge, die Google nicht mag, weil sich zum Manipulieren von Rankings eingesetzt werden können – z.B. Linktausch oder Keyword-Stuffing. Mit KI-generiertem Content ist noch ein weiteres rotes Tuch für Google auf die Liste gekommen.

    💡 Was stört Google an KI-Texten? Wenn man Inhalte auf Knopfdruck erstellt und online stellt, macht man das, was Google sich nicht wünscht. Die Verwendung von Text-Tools mit der bereits angesprochenen „Schritt für Schritt“-Methode ist aber sicherlich weniger problematisch. Hier investiert der Schreibende ja jede Menge Hirnschmalz und achtet auch auf die Richtigkeit der Informationen. Ob man auf diese Weise dann noch Zeit spart, steht auf einem anderen Blatt.

    Fakt ist jedoch: Die größte Suchmaschine der Welt hat sich zunächst einmal klar gegen KI-Texte ausgesprochen und bezeichnet diese als nicht im Sinne der Praktiken, die gute Webmaster:innen befolgen sollten. Google hat gesprochen und wir sollten besser gehorchen, wenn uns unsere Sichtbarkeit liebt ist!

    #5: Die Content-Qualität im Internet wird schlechter

    Das soll jetzt kein romantischer Aufruf für mehr Leidenschaft in der Texterszene werden. Aber es ist definitiv wahr, dass KI-Texte nicht zu beitragen, dass sich die inhaltliche und sprachliche Qualität im Internet verbessert. Besonders dann nicht, wenn viele Nutzer:innen längere Texte ohne genauere Kontrolle produzieren und einfach online stellen.

    💡 Kurioser Fakt: Je mehr minderwertige KI-Texte im Netz auftauchen, desto höher wird auch der Anteil an automatisch generierten Inhalten, die wiederum von den Textsoftwares gescraped werden. Somit scrapen sich die Textroboter irgendwann im großen Stil gegenseitig, was wohl nicht dazu führen wird, dass die Texte qualitativ besser werden.

    Wir stellen sogar die Hypothese auf, dass automatisch generierte Texte massiv dazu beitragen werden, dass sich falsche Informationen noch weiter verbreiten und ein Faktencheck unabdingbar wird. Die Kennzeichnung „von einer echten Person geschrieben“ könnte eines Tages vielleicht sogar ein Qualitätsmerkmal werden, bzw. „maschinell erstellter Text“ könnte sich als eine Art Disclaimer durchsetzen.

    Ausblick: So können KI-Texte (in Zukunft) doch noch ihren Platz am Markt finden

    Obwohl wir als Agentur für Texterstellung natürlich unser Handwerk verteidigen möchten, haben wir ein paar Einsatzbereiche für automatisch generierte Texte zusammentragen. Wir glauben nämlich daran, dass es durchaus Potential gibt. Allerdings sehen wir dieses eher für Texter:innen und Seitenbetreiber:innen, die Erfahrung mit der Erstellung von Content haben.

    Wer die Texterstellung komplett outsourcen möchte, sollte sich lieber weiterhin an Profis wenden. Ob diese Profis auch noch in 2 Jahren alles manuell schreiben oder KI unterstützend dabei zum Einsatz kommt, ist eine andere Frage.

    Hier könnte KI-Content bald sinnvoll zum Einsatz kommen:

    • Ideengenerierung für Texter:innen mithilfe von KI als Beschleunigung oder Ergänzung zur manuellen Recherche
    • Texterstellung für Suchbegriffe mit sehr niedrigem Suchvolumen, bei denen die Erstellung von manuellem und sauber recherchierten Content sich lange nicht amortisieren würde
    • Schnelle Texterstellung für neue Projekte, bei denen die automatisch erstellen Texte erstmal als Platzhalter fungieren, um eine zügige Indexierung zu erreichen und dann durch besseren Content ausgetauscht werden

    Du möchtest jetzt Texte erstellen lassen, die von smarten Texter:innen und nicht von seelenlosen Robotern verfasst werden? Dann schreibe uns jetzt gerne eine Nachricht. Wir sind schon gespannt, von deinem Projekt zu hören! 

    Update (15.07.2022): Wir probieren intern aus, ob uns KI-Tools dabei helfen können, die Texterstellung zu vereinfachen und auch im Sinne unserer Kund:innen zu verbessern. Im Moment sehen wir hier noch keine Zeitersparnis und haben auch noch qualitative Bedenken. Dennoch sind wir grundsätzlich dem Thema offen gegenüber und sind gespannt, wie es weiter geht.

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    Ansprechpartner für die Texterstellung

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